San José (Teil 1)

So schön Uvita und unsere Zeit dort auch war, wir mussten weiter nach San José und uns vom schönen Strand verabschieden. Die Busfahrt hatten wir schon übervorbildlich am Vortag organisiert, so dass wir entspannt und pünktlich unsere vierstündige Busfahrt nach San José antraten.

Kai hatte uns ein schönes Hostel im Viertel San Pedro reserviert. Da die Universität gleich um die Ecke war, war die Gegend sehr sicher, jung und ausgehfreundlich.

Eigentlich wollten wir den nächsten Tag getrennt verbringen, aber Kai entschied sich dann doch für meine Tour. Eine organisierte Tour war nicht möglich, so dass wir uns preiswerter und abenteuerlicher zum Nationalpark mit Air-Train durch den Dschungel aufmachten. Freddy, den wir im Hostel beim Pancake-Frühstück kennenlernten, nahmen wir gleich mal mit.

Mit einem Uber zum Busbahnhof, einen betrügerischen Taxifahrer enttarnt, den richtigen Bus bestiegen und noch viel wichtiger – fast an der richtigen Stelle ausgestiegen – und schon waren wir im Nationalpark. Es war nur leider nicht der, in dem der Air-Train fahren sollte. Also marschierten wir los. Um die rund drei Kilometer an der Landstraße nicht laufen zu müssen, versuchten wir ein Auto anzuhalten. Die Straße war wahrscheinlich zu stark befahren, so dass es etwas dauerte, bis jemand Mitleid mit uns hatte. Ich weiß nicht, ob der Tico Mitleid mit uns hatte, aber zumindest hatte er nur zwei Plätze für uns drei. Nach der Fahrt war das Eis zwischen Freddy und uns bei so viel Nähe gebrochen :-).

Im richtigen Park angekommen, wurden wir aber herbe enttäuscht. Erst mussten wir ganz schön lange warten und dann konnten wir wegen Reparaturarbeiten nicht mit der „Gondel“ fahren. Stattdessen boten sie uns eine zweistündige Ziplining-Tour an, für die wir alle sogar noch einen Studentenrabatt bekamen, obwohl der eigentlich nur Kai zustand (Freddys Ausweis ging bis zum 28.2. und ich hatte seinen Bibliotheksausweis selbstbewusst vorgezeigt :-)).

Die Ziplining-Tour war toll. Wir haben zwar wieder keine Faultiere oder Frösche gesehen, aber dafür zwei gruselige Schlangen, denen man nicht zu nah kommen sollte. Die Abfahrten haben echt Spaß gemacht. Die letzte dauerte sogar fast eine Minute lang. Und am Ende wartete der Guide, der seine Beine mit unseren verknotete und uns zur Plattform zog (dafür hat der Schwung dann doch nicht gereicht).

Eigentlich wollten wir uns unauffällig den Mittagsgästen anschließen, aber wir wurden schnell enttarnt und mussten für das Buffet zahlen (aber ey, wir konnten unser vegetarisches Essen auf die Hälfte runter handeln).

Wir wussten schon, dass der Rückweg komplizierter werden würde. Laut Reiseführer sollte man einfach einen Bus ran winken, weil wir ja an keiner offiziellen Haltestelle standen. Der Park war mitten in einer Kurve mit Steigerung. Die Autos fuhren entweder alle dicht an dicht, waren voll oder die Fahrer winkten einfach amüsiert. Aber auch hier wurden wir nach langer Zeit erlöst und eine volle Familienkutsche wollte uns in die Nähe von San José bringen. In dem Minibus saßen zehn Personen und wir drei noch dazu. Vorne die Eltern mit einem kleinen Fernseher, auf dem 80-er-Jahre-Karaoke gespielt wurde, und auf drei Sitzbänken wir elf. Wir sind lange und durch viele Wolken gefahren. Abends wird es wirklich kalt in der Gegend. Ich habe mein Halstuch über meine kleinen Sitznachbarn gelegt und es hatte schon was von kuscheliger Ferienlageratmosphäre mit der kitschigen Musik im Hintergrund, aber leider mussten wir dann wie verabredet aussteigen. Die Familie wollte partout kein Geld von uns annehmen und zeigte uns nur die Haltestelle mit dem Bus nach San José.

Dort warteten schon zwei Männer, aber dennoch hob ich immer den Daumen raus. Nachdem pipi-müde-kalt immer schlimmer wurde, wurden unsere Trampversuche immer dramatischer. Wie sagt meine Oma immer: wenn Engel reisen :-). Ein Tico, der zufälliger Weise auch in San Pedro wie wir wohnte, brachte uns dann – wieder für umme – fast vor die Hosteltür. Glück muss man haben.

Die Jungs hatten dann mit ihrem Abendbrot etwas Pech. Ich hatte mir Vortagesreisreste gesichert, aber die beiden wollten Nudeln essen. Sie kauften zwei Packungen. Kai sorgte dafür, die erste gekochte Ladung weg zu schmeißen, weil Käfer drin waren und Freddy wollte den zweiten Versuch nicht essen, weil was vom Topf abfärbte. Zum „Glück“ mussten wir nur eine kurze Nacht nach dem schwachen Abendbrot überstehen, weil wir am nächsten Morgen schon kurz nach 6 Uhr zum nächsten Trip abgeholt wurden.

Da die Nacht schon so kurz war, fand ich es gar nicht lustig, dass ich ab 1.30 Uhr nicht mehr schlafen konnte. Irgendwann gab ich auf und zog mit meinem Buch in den Gemeinschaftsraum. Dort konnte ich entspannt mein 8. Urlaubsbuch auslesen und bald bekam ich noch Besuch von zwei verzauberten Hostelgästen, die aber ihren Cacique (Nationalgetränk in Costa Rica) mit mir teilten. Aber auch das wärmende Gefühl half nicht beim Einschlafen, so dass es am nächsten Morgen etwas ruhiger bei uns war. Freddy war gut drauf (er hat war wegen des Jetlags schon früher wach), Kai ist sowieso kein Morgenmensch, der gern mit dem Wecker aufsteht, und ich zerknautscht 😉

Der Minibus brachte uns in zwei Stunden auf die Karibikseite des Landes. In einem Touristensammellager gab es endlich Frühstück und wir konnten uns fürs Rafting umziehen, bevor wir zum Fluss gefahren wurden.

Dort ging es mit Helm und Schwimmweste zu siebent auf die Schlauchboote. Meine einzige Raftingerfahrung kommt von Annes Junggesellinnenabschied in Leipzig. Dort saß ich Händchen haltend neben meiner Schwester und wir haben uns gegenseitig fest gehalten. Diese Aufgabe bekam jetzt Freddy. Wir übten noch einmal die Kommandos – fast forward, paddle hard, all left, all right (dabei bekam ich einen Klapps mit dem Paddel auf den Hintern vom Guide. Ich sollte näher an meinen Nachbarn rücken. Bitte!? Ich bin eine Frau mit Anstand!) und dann ging es los.

Wir paddelten fleißig, schwammen vorbei an wunderschönen Ufern, riesigen Bergen, Wäldern, Wasserfällen. An einigen kleinen Bächen tanzten viele weiße, gelbe und grüne Schmetterlinge um das Wasser und es sah einfach nur wunderschön aus. Zwischendurch konnten wir immer mal ins Wasser springen. Nass waren wir aber auch schon vorher, weil die vielen Guides auf den einzelnen Booten sich einen Spaß daraus machten, uns unauffällig mit dem kühlen Flusswasser zu bespritzen. Ich hatte gleich einen neuen Freund, der noch schwor, dass er mich heute noch ins Wasser werfen würde – und schon sprang er über zwei Boote auf mich zu. Meine einzige Genugtuung war, dass er neben mir im Wasser landete :-).

Auf der Hälfte der 18 km machten wir eine Pause. Die Guides bereiteten ein großes Picknick mit Wraps, Sandwiches, Bohnenmus & Co vor. Wir waren alle etwas durchgefroren und wärmten uns beim Essen in der Sonne auf, auf Steinen zwischen kleinen Fröschen und Spinnen sitzend.

Eigentlich hatten wir das perfekte Wetter für die Tour – etwas Sonne, so dass wir doch alle noch (v.a. rote) Farbe abbekamen und viele Wolken, um nicht gänzlich zu verbrennen. Nach guten viereinhalb Stunden waren wir alle erfrischt, durchgeweicht (mein Nagellack löste sich im Stück ab) und freuten uns über unser Tageswerk. Kai und ich ließen unsere alten Schuhe zurück und stiegen barfuß in den Bus zurück nach San José ein. Der Busfahrer ließ uns wegen des regen Verkehrs eine Straße vor dem Hostel raus, so dass wir noch wie kleine Banditen barfuß nach Hause laufen mussten. 🙂

Bye, bye, shoes

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2 Gedanken zu „San José (Teil 1)

    • Ja, das hat super gepasst. Anfangs wollten wir wegen des Fußballspiels so früh nach San José, aber dann gab es so viel dort in der Umgebung zu sehen. Da hätte ich es wirklich noch länger ausgehalten. Wahrscheinlich wird man dort aber sehr lethargisch. Anders können wir es uns nicht erklären, weshalb so viele Leute immer im Gemeinschaftsraum vor unserem Zimmer saßen und auf den TV oder ihre Handys schauten…
      Wir hatten zumindest eine schöne Zeit dort.

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