Kapverdische Inseln

Urlaub im März – wenn man da die Sonne sehen will, muss man schon ein Stück reisen. Für uns hieß das, Sonntag gaaanz früh aufstehen und mit dem ersten Flieger Richtung Süden. Sehr weit kamen wir leider aber nicht, weil wir zu spät in Lissabon ankamen und statt eines Flugzeugs eine nette Damen mit einem Verzehrgutschein und neuem Ticket auf uns wartete. Die Verzehrgutscheine konnte ich teilweise an sehr nette Leute verkaufen, um mit dem Geld bei Victoria shoppen zu gehen. Danke, TAP, für die neue und sehr teure Unterwäsche. Yeah.

Zum Glück sind wir noch jung und flexibel… Mit spärlich bepacktem Handgepäck machten wir uns also auf, in ein paar Stunden so viel wie möglich von Portugals Hauptstadt zu sehen. Die Alt- und Innenstadt erkundeten wir zu Fuß und mit einer historischen Bahn.

Mit vielen Stunden Verspätung kamen wir nachts auf der kapverdischen Insel Sal an. Der Bankautomat am Flughafen ignorierte partout ausländische Kreditkarten, so dass wir mit zwei anderen gestrandeten Touristen mit einem schnellen und die allgemein gültigen Verkehrsregeln ignorierenden Gemeinschaftstaxi ohne Anschnallgurt und den glücklicher Weise importierten Euros auf wackligen Straßen zu unserem Hotel fuhren.

Die ersten Nächte waren echt fies. Gefühlt alle kapverdischen Mücken hatten es auf uns und unsere blassen Körper abgesehen. Das Moskitonetz war natürlich im Gepäck, aber es gab einfach keine Anbringmöglichkeiten. Ich bin nun mal das Kind meiner Eltern, so dass wir am übernächsten Tag erst einmal das Zimmer wechselten, was sich aber wirklich mehr als lohnte: nun gab es ein riesiges Zimmer mit Meerblick, schön ruhig mit einem tollen Balkon. Die Mückenattacken konnten wir auch durch intensive abendliche Zimmerabsuchaktionen auch reduzieren.

Die erste Urlaubswoche war sehr entspannt. Wir lagen viel faul am Strand (was durch den Wind leider recht kühl war) oder Pool, gingen spazieren oder laufen (der Halbmarathon läuft sich nicht von allein) und haben gegessen wie die Weltmeister (all inclusive, baby!).

Einen Tag sind wir die Insel abgefahren und haben die Highlights von Sal gesehen: Fischerdörfer, eine Fata Morgana, waren neben Haien im Wasser, in Salinas floaten und haben das blaue Auge bewundert.

Es gibt 15 kapverdische Inseln, wobei nur 9 bewohnt sind. Lediglich 5 davon erreicht so viel Regen, dass Landwirtschaft möglich ist. Das heißt, dass über 90% der Güter importiert werden müssen. Auf Sal regnet es quasi gar nicht, weshalb es auf der Insel nur karges Vulkangestein gibt, vereinzelte Palmen, aber dafür traumhafte weiße Strände, die gepaart mit dem Wind jedes Surferherz höher schlagen lassen. Für uns Badehasen hieß es oft „Badeverbot“, weil die Wellen gefährlich hoch und wild waren.

Nach einer Woche verließen wir die Traumstrände, um die grünere Insel Santiago kennen zu lernen. Santiago ist die größte und damit Hauptinsel. Bis auf den deprimierenden Flughafen in Sal ohne Toiletten oder gefüllte Getränkeautomaten im Securitybereich, klappte der Überflug problemlos. Mit dem Taxi ging es eine gute halbe Stunde bis nach Ribiera Grande de Santiago. Als quasi nichts mehr kam, tauchte unser Hotel im Nichts auf. Romantisch abgelegen heißt das wohl im Tourismus-Jargon :-). Für uns hieß es ca. 20 Minuten vom nächsten kleinen Ort entfernt in einem 60 Zimmer-Hotel neben einem anderen Paar die einzigen Gäste zu sein. Das ist auch mal ein Erfahrung. Auf dem Frühstücksbuffet waren die Spiegeleier für alle vier Gäste abgezählt und wir entdeckten unsere Liebe zur täglichen Papaya.

Statt der weißen Stränden hatten wir jetzt kleine Buchten bzw. eine Leiter, die uns den Weg in den kühlen Atlantik ermöglichte. Auf Santiago lebten wir noch entspannter, weil es wirklich kaum etwas zu tun gab. So lagen wir mal faul und lesend am Pool oder Meer, gingen zum Essen ins Dorf oder erkundeten die bergige Umgebung laufend.

Unser Versuch mit Wasserschildkröten schnorcheln zu gehen endete enttäuschend. Statt der Kröten sahen wir nur einsame Buchten, in die sich zur richtigen Jahreszeit vielleicht mal welche verirren und auch recht karge Landschaften. Kurzerhand erkundeten wir stattdessen die Hauptstadt Praia.

In der Hoffnung auf einen besseren Einblick wollten wir mit dem Bus einmal ans andere Ende der Insel fahren, um quasi alles einmal zu sehen. Gesagt, getan. Das Finden der richtigen Busse klappte immer erstaunlich gut. Leider musste man immer viel Geduld mitbringen. Die Fahrer legten viel Wert auf wirklich volle Busse, weshalb wir ein paar Mal die Straßen hoch und runter, vor, zurück fahren mussten. Zwischendurch wurde die Leute auf der Straße zum Einsteigen angesprochen und für uns gefühlt zu einer Überinselfahrt überredet. Das Sitzen in den hinteren Reihen gefiel unseren verwöhnten europäischen Mägen nicht, weshalb wir uns immer nach vorn schummelten bzw. die Einheimischen uns teilweise auch die guten vorderen Plätze überließen. Bei einer Fahrt saßen neben dem ausschweifenden Gepäck noch 15 Erwachsene und 3 Kinder auf den 5 Reihen – bei der Rückfahrt waren es 16 Erwachsenen und 2 Kleinkinder, die dann oft durchgereicht wurden und auf fremden Schößen saßen.

Die Fahrt nach Tarrafal im Norden ging über Stock und Stein, vorbei an Schluchten, Buchten, Müllbergen & Co. Leider sehen die Einheimischen (noch?) nicht, dass ihr Land mit weniger umher fliegenden Mülltüten viel schöner aussehen würde. Bei einer Fahrt sortierte eine Frau ihre Einkäufe und schmiss die nicht mehr notwendigen Verpackungen kurzerhand aus dem fahrenden Bus. Problem gelöst – aber nur für sie. Aber nicht alle Müllberge sind absichtlich entstanden. Nein, vieles fiel auch vom Müllwagen, der schnell durch die Kurven und ohne Plane den Müll verteilte. Böse Zungen könnten meinen, dass so wenigstens etwas Farbe auf die Insel kommt. Von weitem war beispielsweise die Stadt Praia keine schöne Erscheinung. Ein Meer aus grauem Beton, Ton in Ton. Die Häuser werden anscheinend stückchenweise gebaut, je nachdem wie viel Geld gerade vorhanden ist. So steht meist erst das Erdgeschoss und die nächste Etage ist jahrelang im Rohbau. Da lohnt sich der bunte Anstrich noch nicht. In einigen Gegend ist aber mehr Geld vorhanden und man sieht farbenfrohe schöne Bauten.

Für uns waren die zwei Wochen sehr entspannt, mit viel Sonne und Wind, den wohl ruhigsten Straßenhunden der Welt und einem leider sehr Vegetarier unfreundlichem Essen (ich habe noch nie so viel Reis mit ungewürztem Gemüse und vor allem Kohl gegessen). Für Mario gab es gefühlt täglich das Nationalgericht Chachupa (das ich leider als vegetarische Variante nirgendwo fand) und viel leckerem Fisch. Sprachlich war es eine kleine Herausforderung, weil Portugiesisch einfach unaussprechlich und unverständlich ist. In der Schule wird wohl auch eher Französisch als Englisch gelehrt. So waren für unsere „Restaurantbesuche“ (darf man Küchen mit Plastestühlen so nennen 🙂 ) Hände, Füße, Geduld, Humor und eine Handvoll Französisch-, Spanisch- und Englischkenntnisse, gern wild durcheinander geworfen und gemixt, sehr hilfreich.

Die Einheimischen waren uns gegenüber sehr geschäftstüchtig, versuchten uns zu Taxifahrten, Früchten oder Souvenirs zu überreden. Mir fehlte ein bisschen die erwartete Herzlichkeit. Wahrscheinlich fielen wir einfach zu sehr als Europäer zwischen den vielen verschiedenen Hautfarben auf. Auf den Kapverden kommen so viele verschiedene Menschen zusammen, die oft ganz unterschiedlich aussehen. Man sieht dunkle Hautfarben mit hellen Augen und Haaren. Gerade die blonden Kinder waren zum Verlieben. Am vermeintlich letzten Tag sind wir durch eine Gruppe Schulkinder gejoggt. Die Schule war gerade aus, es dämmerte und einige Kinder joggten in Flipflops mit uns den Berg hinunter. Mir ist ein Wunder, wie man auf diesem Untergrund in solchen Schuhen sich überhaupt bewegen kann! Zumindest haben die Kinder mit ihrer Gelassenheit und Frechheit mein Weltbild wieder etwas zurecht gerückt und Pluspunkte fürs Land gesammelt.

Ein Großteil der kapverdischen Bevölkerung lebt im Ausland, weil die Wirtschaft nicht läuft und es nur wenige Möglichkeiten gibt. Ich weiß nicht, ob das Streichen der Flüge eine Maßnahme zum Halten der Einheimischen (und Touristen) ist. Vielleicht gab es aber auch einen anderen Grund, weshalb unser Rückflug ausfiel. Wir konnten den letzten Tag noch entspannt im Hotel verbringen, waren abends schön essen, wollten uns mit Bier und Caipis schläfrig für den Flug trinken (und für die wacklig-schnelle Taxifahrt) und waren überpünktlich 21.30 Uhr am Flughafen. Statt viereinhalb Stunden später nach Lissabon zu fliegen, brachten sie uns nach einer stundenlangen Umbuchung aber nach Praia ins Hotel. Nach einem Frühstück mussten wir am Flughafen auf unseren Weiterflug am Nachmittag warten. Da haben wir uns nun für die teuersten Flüge entschieden, um mehr Direktverbindungen zu haben, aber nein, wir mussten erst noch einmal nach Sal fliegen. Es wackelte es wie verrückt und ich fand es sehr Angst einflößend. In Lissabon angekommen, trennten wir uns von den anderen Gestrandeten und verbrachten eine recht schlaflose Nacht auf dem Flughafen. Wir spielten Karten, versuchten zu schlafen, fuhren im Rollstuhl die Hallen ab und freuten uns, als nach Stunden endlich die Restaurants öffneten. Das war leider ein undankbarer Abschluss eines sehr schönen Urlaubs.

Werbeanzeigen

Ein Gedanke zu „Kapverdische Inseln

  1. Ein toller Reisebeicht meine Kleene. Also trotz der schönen Bilder werden wir uns wohl das nächste Mal für die Algave entscheiden…
    Die Welt ist schön und bunt, aber man sammelt eben so seine Erfahrungen,auch beim Quartierwechsel;-))
    War eine schöne Urlaubslektüre für mich, zwischen 2 Saunagängen im Cliff Hotel auf Rügen (wie dekadent…)
    Liebe Grüße und weiter so, wünschen Dir ( Euch)
    Susanna und Dein Papi❣️💋🙋🙋🏽‍♂️

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s